Oldtimer aus dem Winterschlaf holen: Checkliste für den Saisonstart

Mechaniker prüft den Motorraum eines Autos

Wenn die Tage länger werden und die Straßen nicht mehr gesalzen sind, juckt es vielen Oldtimer-Besitzern in den Fingern. Nach Monaten in der Garage soll der Klassiker endlich wieder bewegt werden. Doch ein Fahrzeug, das lange gestanden hat, verdient vor der ersten Ausfahrt etwas Aufmerksamkeit. Mit einer sorgfältigen Durchsicht vermeiden Sie böse Überraschungen und starten entspannt in die neue Saison.

Erster Rundgang: Sichtprüfung in der Garage

Beginnen Sie mit einem ruhigen Blick rund um das Fahrzeug. Gibt es Flecken auf dem Garagenboden? Öl, Kühlflüssigkeit oder Bremsflüssigkeit unter dem Auto weisen auf undichte Stellen hin, die Sie vor der Fahrt klären sollten. Prüfen Sie auch den Motorraum auf Spuren von Nagetieren. Marder und Mäuse suchen im Winter gern geschützte Plätze und können Kabel, Schläuche und Dämmmaterial beschädigen.

Werfen Sie außerdem einen Blick auf Karosserie und Unterboden. Kondenswasser in einer schlecht belüfteten Garage kann Rost begünstigen. Kleine Roststellen lassen sich früh erkannt meist noch gut behandeln, bevor sie sich ausbreiten.

Batterie, Flüssigkeiten und Bremsen

Die Batterie ist nach dem Winter oft die erste Schwachstelle. Wenn sie während der Standzeit nicht an einem Erhaltungsladegerät hing, sollten Sie die Spannung prüfen und sie gegebenenfalls laden. Kontrollieren Sie die Pole auf Korrosion und den festen Sitz der Klemmen.

Anschließend sind die Flüssigkeiten an der Reihe: Motoröl, Kühlmittel, Bremsflüssigkeit und gegebenenfalls Getriebe- und Servoöl. Achten Sie nicht nur auf den Füllstand, sondern auch auf Farbe und Zustand. Bremsflüssigkeit nimmt mit der Zeit Wasser auf, deshalb sollte sie in den empfohlenen Abständen gewechselt werden. Auf den ersten Metern prüfen Sie, ob die Bremsen gleichmäßig greifen. Nach langer Standzeit können sich Flugrost auf den Bremsscheiben oder festsitzende Bremskolben bemerkbar machen.

Reifen nicht unterschätzen

Viele Oldtimer legen pro Jahr nur wenige Kilometer zurück. Das Profil sieht deshalb oft noch gut aus, obwohl die Reifen schon viele Jahre alt sind. Gummi altert jedoch auch ohne Fahrleistung, wird hart und kann Risse bilden. Das Herstellungsdatum lässt sich an der DOT-Nummer auf der Reifenflanke ablesen. Prüfen Sie zudem den Luftdruck, denn Reifen verlieren während der Standzeit Luft. Standplatten verschwinden in der Regel nach einigen Kilometern, bei sehr alten Reifen kann eine Verformung aber auch bleiben.

Licht, Papiere und die erste Ausfahrt

Testen Sie vor der Fahrt alle Leuchten, die Blinker, die Hupe und die Scheibenwischer. Kontrollieren Sie auch, ob Versicherung und Hauptuntersuchung gültig sind. Wer ein Saisonkennzeichen nutzt, sollte den zugelassenen Zeitraum im Blick behalten. Mehr zu den Voraussetzungen für das H-Kennzeichen lesen Sie in unserem Beitrag Wann gilt ein Auto als Oldtimer?

Lassen Sie den Motor nach dem Start in Ruhe laufen und fahren Sie die ersten Kilometer schonend, bis Motor und Getriebe ihre Betriebstemperatur erreicht haben. Hören Sie dabei genau hin: Ungewohnte Geräusche, ein unruhiger Leerlauf oder ein ziehendes Lenkrad sind Hinweise, denen Sie nachgehen sollten. Wenn Sie unsicher sind, lohnt sich eine Durchsicht in einer Fachwerkstatt, die Erfahrung mit klassischen Fahrzeugen hat.

Fazit

Ein gründlicher Frühjahrscheck kostet etwas Zeit, zahlt sich aber aus. Wer seinen Klassiker sorgfältig aus dem Winterschlaf holt, kann die Saison mit gutem Gefühl genießen, sei es bei einer Landpartie oder beim nächsten Oldtimertreffen.